VoP-Pflicht: Wie Sie Ihre SAP-Zahlungsworkflows Zukunftssicher Machen
Treasury Management

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Kurz vor Monatsende ist es immer dasselbe. Das Treasury-Team hat Hunderte von Lieferantenrechnungen abgearbeitet, den F110-Zahllauf in SAP durchgeführt und die Zahldateien exportiert. Und dann? Der mühsame Teil. Das manuelle Einloggen in fünfzehn verschiedene Banking-Portale. Datei um Datei hochladen. Bei jeder Bank: Zwei-Faktor-Authentifizierung. Und die ganze Zeit die bange Frage: Sind alle Zahlungen tatsächlich angekommen? Seit Oktober 2025 wurde es noch komplizierter: Die Verification of Payee gilt nun für alle Euro-Transaktionen – sowohl für Sofortüberweisungen als auch für reguläre Überweisungen.
David Vortmeyer, Country Manager bei Embat und Lisa Deiting, Projektmanagerin und SAP-Spezialistin von GOpus haben VoP im Zusammenhang mit dem SAP F110 (Automatic Payment Program) Standard kürzlich in einem Webinar besprochen und die Herausforderungen benannt.
VoP wird für Zahlungsdienstleister Pflicht
Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem gemeinsamen Bericht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und der Europäischen Zentralbank erreichte der Zahlungsbetrug in der EU im Jahr 2024 ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro und kaum zu glauben: Gemäß einer EBA-Analyse aus dem Jahr 2022 lag die Betrugsrate bei Sofortüberweisungen im Durchschnitt zehnmal höher als bei regulären Überweisungen.
Die Antwort der Regulierungsbehörden kam mit der EU-Verordnung über Sofortzahlungen (IPR), die vom Europäischen Parlament und Rat verabschiedet wurde. Seit Oktober 2025 müssen alle Zahlungsdienstleister in der Eurozone VoP-Dienste anbieten. Was heißt das konkret? Der Dienst stimmt die IBAN mit dem Namen des Zahlungsempfängers ab, bevor eine Zahlung ausgelöst wird. Bei Unstimmigkeiten wird der Zahlende informiert.
Die SAP-F110-Herausforderung
SAP S/4HANA ist eine hervorragende und solide Grundlage für Enterprise-Finanzprozesse. Das automatische Zahlungsprogramm F110 (Automatic Payment Program) ist seit Jahrzehnten der SAP-Standard für Massenzahlungen. Aber die Integration moderner Compliance-Anforderungen wie VoP in diesem etablierten Workflow stellt Unternehmen ohne agile Schnittstellen vor große Herausforderungen.
Lisa Deiting, Projektmanagerin bei GOpus mit langjähriger SAP-Erfahrung, sagt es direkt: „Es gibt aber einfach auch Bereiche, wo manuelle Schritte notwendig sind. Gerade beim Treasury und bei den Cash-Prozessen gibt es Bereiche, wo manuelle Eingriffe oder zusätzliche Add-ons notwendig sind, um den Prozess automatisiert abzudecken.“
Im SAP-Standard sind noch manuelle Prozesse notwendig
Der Standard-F110-Prozess funktioniert so: Offene Posten werden selektiert, eine Zahldatei wird generiert und exportiert. Und dann beginnt oft die manuelle Arbeit. „Diese Zahldatei wird heruntergeladen und [...] kann dann manuell in der Bankensoftware hochgeladen werden", erklärt Lisa Deiting im Webinar. „Wenn man eine Bankensoftware hat, ist das absolut kein Problem. Hat man schon mehrere im Einsatz, ist es einfach schon umständlicher.“
Das Problem multipliziert sich:
- Keine zentrale Übersicht: Jedes Banking-Portal hat seine eigene Oberfläche und Logik
- Fehlende Statusrückmeldung: „Man bekommt keine direkte Rückmeldung zum Status der Verbuchung bei der Bank", so Deiting
- Neue Compliance-Anforderungen: Zur Verification of Payee merkt Deiting an, „sowas ist in dem aktuellen Prozess noch nicht vorgesehen”.
Für Unternehmen mit zehn oder mehr Bankverbindungen wird dieser Prozess schnell zum operativen Albtraum.
Die Payment-Hub-Lösung
Hier setzen moderne Treasury-Management-Lösungen an. Die Treasury Plattform fungiert als zentraler Payment Hub, der VoP-Compliance direkt in den Workflow vor der Zahlungsausführung einbettet. Und zwar bevor die Zahlung das System verlässt.
Drei Ebenen der Automatisierung
David Vortmeyer erklärt den technologischen Ansatz: „Man kann Zahldateien, die in SAP erstellt werden, einfach in Embat weiterleiten, sie hochladen und von Embat aus an die jeweils richtige Bank weiterleiten.“
Die Plattform kann aber mehr. Dank der bidirektionalen Echtzeit-Verbindung zum SAP-System können Unternehmen:
- Offene Posten direkt verwalten: „Dadurch, dass wir die bidirektionale Konnektivität zum ERP-System haben, ziehen wir uns offene Rechnungen aus dem ERP, lesen die ein", so Vortmeyer
- Intelligente Freigabeprozesse nutzen: Mehrstufige Genehmigungsworkflows mit personalisierten Regeln sind von jedem Gerät und an jedem Ort anwendbar.
- Compliance vor der Ausführung sichern: Embat prüft in dem Schritt auch, bevor die Zahlung losgeschickt wird, ob alle nötigen Informationen richtig eingetragen sind, ob die Stammdaten mit dem SAP übereinstimmen oder ob irgendwelche IBANs falsch sein sollten, einfach um Fraud zu minimieren.“
Übersicht: F110 Standard vs. API Payment Hub
| Prozessschritt | Klassischer F110-Workflow | Integrierter API Payment Hub |
| Zahldatei-Transfer | Manueller Download & Upload in Bankenportale | Zentralisiertes Routing an alle Banken |
| VoP-Compliance | Abhängig von der jeweiligen Bankensoftware | Eingebettete Vorab-Prüfung in der Plattform |
| Statusrückmeldung | Fehlt oder ist verzögert | Echtzeit-Tracking jeder Einzeltransaktion |
Die Zukunft von VoP-Pflicht und F110-Workflows
Die VoP-Pflicht ist ein Wendepunkt in der europäischen Zahlungsabwicklung. Für Unternehmen, die auf Standard-F110-Workflows setzen, stellt sich nicht die Frage, ob sie ihre Prozesse anpassen, sondern wie schnell.
Die Lösung? Nicht die Aufrüstung veralteter Prozesse, sondern die Integration intelligenter Plattformen, die Compliance, Effizienz und Sicherheit vereinen. Moderne Treasury-Plattformen sind genau diese Brücke: vom manuellen Datei-Upload zur automatisierten, compliance-konformen Zahlungsabwicklung. Ohne dass Unternehmen ihre bewährten ERP-Systeme aufgeben müssen.
Was bedeutet das für Finanzteams? Mehr Zeit für strategische Aufgaben. Weniger Risiko durch manuelle Fehler. Und die Gewissheit, regulatorischen Anforderungen nicht nur heute, sondern auch morgen gerecht zu werden.
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Dieser Artikel basiert auf Erkenntnissen aus dem Webinar „Finanzprozesse neu gedacht: Automatisierte Finanzabteilung in S/4HANA" sowie auf Daten und Analysen moderner Treasury-Plattformen mit Lisa Deiting (Projektmanagerin, GOpus GmbH) und David Vortmeyer (Country Manager, Embat).




