EBITDA: Definition, Kalkulation und warum es nicht Cash Flow ist
Treasury Management

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Das EBITDA zeigt das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Kennzahl eignet sich gut für Unternehmensvergleiche, aber das EBITDA ist keine echte Cashflow-Metrik, da Veränderungen im Working Capital, Investitionsausgaben und Tilgungen unberücksichtigt bleiben. Im Finanzbereich wird das EBITDA etwa für Benchmarking und M&A-Analysen verwendet, aber Liquiditätsentscheidungen werden in der Regel nicht aufgrund von EBITDA getroffen.
Was das EBITDA tatsächlich misst und was nicht
Der CFO einer mittelständischen GmbH verkündet stolz: "Unser EBITDA ist um 18 Prozent gestiegen." Zustimmendes Nicken im Raum. Was er jedoch nicht erwähnt: Am Bankkonto herrscht gähnende Leere, denn das Working Capital ist angespannt. Was sich also nach einem profitablen Unternhmen anhört, ist es aus Liquiditätssicht aber nicht.
EBITDA steht für “Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation”. Die Kennzahl zeigt das operative Ergebnis, berechnet vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Entwickelt wurde das EBITDA in der großen Übernahme- und Buyout-Welle in den 1980ern. Private-Equity-Gesellschaften und andere Investoren suchten nach einer standardisierten und über verschiedene Märkte hinweg vergleichbaren Methode, um zu bewerten, wie viel Cash ein Unternehmen zur Bedienung von Fremdkapital generieren kann. Von diesem spezifischen Einsatzzweck ging das EBITDA dann in weitere Anwendungsfelder über, wie Aktienanalyse, Branchen-Benchmarking oder Investorenpräsentationen.
Von diesem spezifischen Einsatzzweck ging das EBITDA dann in weitere Anwendungsfelder über: Aktienanalyse, Branchen-Benchmarking, Investorenpräsentationen usw.
Die EBITDA-Formel: Zwei Wege zur Berechnung
Weg 1 (rückgerechnet vom Nettogewinn):
EBITDA = Nettogewinn + Zinsen + Steuern + Abschreibungen auf Sachanlagen + Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände
Weg 2 (rückgerechnet vom Betriebsergebnis):
EBITDA = Betriebsergebnis (EBIT) + Abschreibungen auf Sachanlagen + Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände
Praxisbeispiel: Schritt für Schritt
Schritt für Schritt für einen deutschen Mittelständler mit folgender GuV
| Position | EUR |
| Jahresüberschuss (nach Zinsen und Steuern) | 500.000 |
| Plus: Zinsaufwand | 50.000 |
| Plus: Steuern | 40.000 |
| Plus: Abschreibungen Sachanlagen | 60.000 |
| Plus: Abschreibungen immaterielle Vermögensgegenstände | 20.000 |
| Ergibt sich ein EBITDA von | 670.000 |
Das EBITDA liegt 34 Prozent über dem Jahresüberschuss. Ein wichtiger Unterschied, der enorm ins Gewicht fällt, wenn EBITDA bspw. als Basis für Bewertungen dient.
Warum werden diese Positionen hinzugerechnet?
- Zinsen werden hinzugerechnet, weil etwa zwei Unternehmen mit identischer Geschäftstätigkeit, aber unterschiedlichen Eigentümern (eines mit Private-Equity-Finanzierung, das andere schuldenfrei) zwar sehr unterschiedliche Nettogewinne, aber das gleiche EBITDA ausweisen können. Die Standardisierung durch das EBITDA macht sie vergleichbar.
- Steuern: kommen hinzu, da sich die effektiven Steuersätze je nach Land, Verfügbarkeit von Steuervergünstigungen und Konzernstruktur unterscheiden. Auch hier ist das Ziel eine Standardisierung über Landesgrenzen hinweg.
- Abschreibungen werden addiert, weil sie nicht cash-wirksam sind, sondern reine Buchhaltungszahlen. Die Addition macht auch Unternehmen mit unterschiedlich hohen Abschreibungen besser untereinander vergleichbar.
Das Ergebnis ist eine Kennzahl, die Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen oder Steuerdomizilen und Abschreibungshoehe miteinander vergleichbar macht.
EBITDA vs. Cashflow: Warum sie nicht dasselbe sind
EBITDA ist eine buchhalterische Kennzahl, nicht Geld am Konto. Ein Unternehmen kann ein starkes EBITDA ausweisen und gleichzeitig ist die Liquidität, um steigende Forderungen zu finanzieren, Maschinen zu ersetzen oder Schulden zu bedienen, dünn.
Wachstumsunternehmen mit hohen Investitionen in Anlagevermögen und Working Capital können jahrelang einen negativen operativen Cashflow haben und dennoch ein hohes EBITDA.
Bereinigtes EBITDA: Chancen und Fallstricke
Zusätzlich zum unbereinigten EBITDA gibt es auch das „bereinigte EBITDA“, bei dem zusätzliche „einmalige“ Posten herausgerechnet werden, von denen man argumentieren könnte, dass sie die zugrunde liegende laufende Performance verzerren. Was in der Regel hinzugerechnet wird:
- Restrukturierungs- und Personalabbaukosten
- Außerordentliche Rechts- oder Beratungskosten
- Pro-forma-Anpassungen für Akquisitionen
Das EBITDA steigt durch diese Hinzurechnungen und oft erscheint es positiv nur durch Hinzurechnungen.
Der Bewertungsverstärker-Effekt
Der Grund, warum ein aggressiv berechnetes bereinigtes EBITDA so wichtig ist, liegt in seinem Multiplikatoreffekt auf den Unternehmenswert. In der Unternehmensfinanzierung und bei Fusionen und Übernahmen wird der Unternehmenswert oder Enterprise-Value grundsätzlich als Summe aus Eigenkapitalwert und Fremdkapitalwert berechnet. Dieser Unternehmenswert wird dann mit dem EBITDA verglichen, um einen Bewertungsmultiplikator, das EV/EBITDA, zu ermitteln.
Wird ein Unternehmen etwa mit dem 10-fachen EBITDA bewertet, führt jede Erhöhung des EBITDA um 100.000 Euro zu einer Erhöhung des Kaufpreises um rund 1.000.000 Euro. Jede Überbewertung im bereinigten EBITDA kann den Transaktionspreis daher erheblich verzerren.
Wann EBITDA nützlich ist und wann nicht
| Kontext (Auswahl) | EBITDA nützlich? |
| M&A-Screening von Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen | Ja |
| Branchen-Benchmarking in verschienden Ländern und Steuerdomizilen | Ja |
| Beurteilung von Liquidität oder kurzfristiger Cash-Position | Nein |
| Festlegung von Vorstandsvergütungszielen in kapitalintensiven Branchen | Vorsicht |
| Prognose der Fähigkeit zur Bedienung fremdfinanzierter Schulden | Eingeschränkt |
Die wichtigsten Erkenntnisse für Finanzteams
Das EBITDA wurde in den 1980er Jahren für die Analyse von Leveraged Buyouts entwickelt. Seitdem hat es sich weit über seinen ursprünglichen Anwendungsbereich hinaus verbreitet. Man sollte wissen, wofür es eigentlich konzipiert wurde.
Zwei Unternehmen können beide ein „EBITDA“ ausweisen, dabei aber grundlegend unterschiedliche Definitionen verwenden. Prüfen Sie immer genau, was enthalten ist und was herausgerechnet wurde.
Das bereinigte EBITDA erfordert professionelle Skepsis. Bei multiplikatorbasierten Bewertungen kann jede Hinzurechnung den Unternehmenswert um ein Vielfaches des jeweiligen Betrags erhöhen.





