Das KI-Dilemma des CFOs: Wie innovieren, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen?
Künstliche Intelligenz (KI)

Fasse den Artikel mit deiner KI zusammen
Index
CFOs stecken in einer Zwickmühle: Wie nutzt man die Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz im Unternehmen, ohne sensible Daten aufs Spiel zu setzen? Laut einer aktuellen Embat-Umfrage unter mehr als 100 Finanzverantwortlichen in Europa nennen 29 Prozent Datensicherheit als ihre größte Sorge bei der KI-Einführung. Dieser Wettlauf um Innovation darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Finanzverantwortliche müssen KI-Anbieter und KI Sicherheit evaluieren, Governance-Strukturen aufbauen und Automatisierung mit Kontrolle verbinden; ansonsten kann ein Effizienzgewinn schnell zur Sicherheitslücke werden.
Der Monatsabschluss ist endlich abgeschlossen. Die Finanzabteilung hat die letzten Buchungen erledigt, der CFO wirft einen Blick auf die KI-gestützte Liquiditätsprognose. Die Zahlen sehen gut aus. Sie sind treffsicher, es gab bei der Erstellung weniger manuelle Fehler und dem Team blieb mehr Zeit fürs Wesentliche.
Dann steht der CISO in der Tür und stellt eine simple Frage: „Wohin genau sendet dieses KI-Modell eigentlich unsere Treasury-Daten?" Stille.
Ein Unbehagen, das jeden CFO treffen kann, der digitale Transformation vorantreibt, ohne gleichzeitig Sicherheit und Compliance zu prüfen. KI kann nämlich Treasury-Prozesse grundlegend verändern. Aber nur, wenn die Sicherheitsarchitektur die Innovation mitträgt.
Warum Sicherheit bei KI-Einführung an erster Stelle steht
Finanzabteilungen arbeiten mit hochsensiblen Daten: Bankverbindungen, Zahlungsmuster, Liquiditätspositionen, Geschäftspartnerbeziehungen. Wenn KI in Treasury-Funktionen eingesetzt wird, lernt sie daraus, speichert die Informationen und trifft Entscheidungen auf dieser Grundlage.
Die BaFin verfolgt einen risikobasierten Ansatz bei KI im Finanzwesen. Die BaFin-Orientierungshilfe zu KI sagt klar: Bestehende Sicherheitsverpflichtungen gelten, egal welche KI-Tools zum Einsatz kommen. Die Technologie mag neu sein, aber dieselbe Regulatorik und Verantwortlichkeit bleibt.
Der EU AI Act bringt zusätzliche Transparenzpflichten. Nach dem EU AI Act fallen die meisten gängigen Treasury-Systeme in der Regel nicht in die Kategorie „Hochrisiko". Das ist weitgehend Kredit-Scoring oder biometrischer Identifikation vorbehalten. Die DSGVO bildet das Fundament: Datenminimierung, Zweckbindung, technische und organisatorische Maßnahmen. Trotzdem: Die Gesetzgebung schreibt grundlegende Transparenz vor. KI-Risikomanagement gehört also in die Gesamtstrategie, also genauso wieCybersicherheit und Datenschutz.
Die Sicherheitsprüfliste für KI-Anbieter
Wenn Unternehmen KI-gestützte Treasury-Plattformen evaluieren, sollten sie Transparenz über drei Bereiche einfordern: Zertifizierungen, Datenverarbeitung, Architektur-Sicherheit.
Zentrale Standards und Zertifizierungen
Bei der Bewertung moderner Treasury-Plattformen sind bestimmte Sicherheitsstandards fundamental.
ISO/IEC 27001:2022, der internationale Standard für Informationssicherheits-Managementsysteme, belegt systematische Ansätze beim Umgang mit sensiblen Informationen. Anbieter sollten nachweisen können, dass Sicherheit nicht nachträglich aufgesetzt, sondern von Anfang an in die Systemarchitektur eingebaut ist.
Für KI-spezifische Governance gewinnt ISO/IEC 42001:2023 an Bedeutung: Es ist der weltweit erste Standard für KI-Managementsysteme. Er signalisiert: verantwortungsvolle KI-Entwicklung, ethischer Einsatz, kontinuierliche Risikobewertung.
Bei Datenverschlüsselung ist AES-256 der aktuelle Standard für Finanzdaten im Ruhezustand.
Treasury-Plattformen sollten außerdem Konformität mit sektorspezifischen Rahmenwerken nachweisen. Die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) der BaFin verlangen klare Verantwortlichkeiten für IT-Auslagerungen.
Wichtig: BAIT wird schrittweise durch DORA (Digital Operational Resilience Act) ersetzt ersetzt und voraussichtlich zum 31. Dezember 2026 vollständig abgelöst. CFOs sollten sicherstellen, dass ihre Anbieter beide Rahmenwerke berücksichtigen. Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) fordern angemessene Kontrollsysteme, auch wenn KI-Systeme Entscheidungsvorschläge liefern.
Datenverschlüsselung bei Systemkommunikation
Datenverschlüsselung schützt Informationen im Ruhezustand, während der Übertragung und zunehmend auch während der Verarbeitung. Bei der Anbieter-Evaluation sollten CFOs etwa folgenden Fragen stellen:
- Welche Verschlüsselungsstandards gelten für Datenspeicherung? AES-256 ist weit verbreitet, andere aktuelle Standards können ebenfalls hohe Sicherheit bieten.
- Nutzt die Plattform TLS 1.3 oder einen vergleichbaren Hochsicherheitsstandard für die Datenübertragung?
- Wie werden Encryption-Keys verwaltet und rotiert?
- Was geschieht mit den verschlüsselten Daten bei Vertragsende?
Klarheit über Datennutzung und Modelltraining
Die Frage, die viele Anbieter in Verlegenheit bringt: „Werden unsere Treasury-Daten zum Training Ihrer KI-Modelle verwendet?" Die Antwort ist entscheidend.
Es kann das Risiko bestehen, dass einige KI-Anbieter nutzen Kundendaten zur Verbesserung allgemeiner Modellleistung nutzen. Dabei könnten proprietäre Informationen unbeabsichtigt weitergegeben oder regulatorische Komplikationen geschaffen werden, selbst wenn die Daten anonymisiert oder pseudonymisiert werden.
Viele Anbieter wahren aber strikte Datentrennung und trainieren Modelle ausschließlich mit anonymisierten, aggregierten Datensätzen.
Die OECD-Studie zu KI im Finanzwesen betont: Datenqualität, Governance und risikoausgerichtete Implementierung sind entscheidend. CFOs sollten also vertraglich folgendes abklären:
- Dateneigentum und Nutzungsrechte
- Zugriff durch Dritte und Subunternehmer-Vereinbarungen
- Modelltraining-Praktiken und Datenaufbewahrungsrichtlinien
- Geografischer Datenspeicherort und grenzüberschreitenden Transfermechanismen
Wenn Anbieter keine klaren, prüfbaren Antworten liefern können, ist Vorsicht angebracht. Das Risiko unklarer
Datenweitergabe wiegt jedanfalls schwerer als versprochene Effizienzgewinne.
Vertrauen durch Governance aufbauen
Technologie allein kann keine sichere KI liefern. Governance-Strukturen, menschliche Aufsicht, organisatorische Prozesse, all das verwandelt theoretische Sicherheit in operative Realität.
Menschliche Aufsicht für alle kritischen Entscheidungen
Der Konsens über alle Aufsichtsbehörden hinweg ist eindeutig: Menschen müssen die letztendliche Verantwortung für Finanzentscheidungen behalten, auch wenn KI Empfehlungen generiert. Die BaFin betont dabei, dass komplexe KI-Modelle verstärkten Fokus auf Testing, Validierung, Erklärbarkeit und robuste Rechenschaftspflicht erfordern.
Wie sieht Aufsicht in der Praxis aus? Moderne Treasury-Plattformen sollten KI-generierte Empfehlungen mit ausreichend Kontext präsentieren, damit Menschen sie bewerten können. Wenn eine KI vorschlägt, eine Transaktion neu zu klassifizieren oder eine Liquiditätsprognose anzupassen, sollte das Treasury-Team die Begründung verstehen, das Konfidenzniveau einschätzen können und den Vorschlag annehmen oder ablehnen können.
Das PwC Responsible AI Framework empfiehlt etwa, dedizierte KI-Governance-Strukturen einzurichten: mit C-Level-Verantwortung und zentralen technischen Kompetenzcentern.
Klare, prüfbare Nachvollziehbarkeit
Audit Trails erfüllen mehrere Zwecke: regulatorische Compliance, interne Kontrolle, Fehleruntersuchung, Vertrauensbildung. Wenn KI Treasury-Entscheidungen trifft oder beeinflusst, müssen Organisationen nachweisen können, was wann warum geschah und wer es genehmigte.
Die DSGVO verlangt evidenzbasierte Bewertungen, einschließlich Daten für Überprüfungen auf Vorstandsebene. Für Treasury-Operationen bedeutet das:
- Umfassende Protokollierung von KI-Empfehlungen und verwendeten Daten
- Menschliche Entscheidungen zur Annahme, Modifikation oder Ablehnung von KI-Vorschlägen
- Systemkonfigurationen und Modellversionsänderungen
- Zugriffsmuster und Berechtigungsänderungen
- Ausnahmebehandlung und Überstimmungsverfahren
Moderne Treasury-Plattformen haben diese Audit-Fähigkeiten meist integriert. CFOs sollten aber prüfen, dass Protokolle manipulationssicher bleiben, für aufsichtsrechtliche Anfragen zugänglich sind und gemäß Datenschutzanforderungen aufbewahrt werden.
Technologie mit Prozessen und Schulungen kombinieren
Die ausgefeilteste Sicherheitsarchitektur versagt, wenn Mitarbeiter Kontrollen umgehen oder Risiken nicht verstehen. Daher sind folgende Themen wichtig:
- Rollenbasierte Schulungsprogramme, die zeigen, wie KI-Systeme funktionieren und welche Limitationen sie haben
- Klare Eskalationsprozeduren für KI-bezogene Sicherheitsvorfälle
- Regelmäßige Governance-Reviews
- Szenario-Tests für Grenzfälle
Die regulatorische Landschaft: Was kommt in der Zukunft
KI-Regulierung im Finanzwesen entwickelt sich rasant. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde stellt fest: Der EU AI Act ergänzt bestehende Bankengesetzgebung und erfordert Integrationsaufwand.
Vorausschauende CFOs sollten also folgdenes beobachten:
- Implementierung des EU AI Act ab August 2026
- Entwicklung strengerer Auslagerungs- und Drittanbieter-Aufsicht
- Verstärkten Fokus auf algorithmische Rechenschaftspflicht
Die BaFin verfolgt einen prinzipienbasierten, aber konsequenten Ansatz. Jede signifikante KI-Implementierung im regulierten Bereich muss dokumentiert, getestet und überwacht werden.
Innovation ohne Kompromisse
Das KI-Dilemma des CFO ist eine Frage der Reihenfolge und Disziplin. Bewährte Praktiken:
- Sicherheitsbaselines vor Deployment etablieren: Von Tag eins auf Zertifizierungen, Verschlüsselung und Daten-Governance bestehen.
- Skeptisch gegenüber Anbieter-Versprechen bleiben und vertragliche Zusagen statt Marketingaussagen einfordern.
- Governance-Strukturen aufbauen, die menschliches Urteilsvermögen wahren.
- In Capability Building investieren, damit Teams sowohl KI-Potenzial als auch Risiken verstehen.
- Plattformen wählen, die für Transparenz geschaffen sind, wo Audit Trails und Kontrollmechanismen in die Architektur eingebaut sind.
Moderne Treasury-Plattformen, die KI verantwortungsvoll integrieren, zeigen: Automatisierung und Governance können koexistieren. Die gleichen Technologien, die schnellere Monatsabschlüsse ermöglichen, können auch Kontrollen stärken. Innovation kann voranschreiten, ohne die Rechenschaftspflicht zu opfern.
Die erfolgreichsten Finanzvorstände werden jene sein, die verstehen: KI-Innovation und rigorose Sicherheit sind kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Treasury-Plattformen, die diese Balance beherrschen, ermöglichen das, was deutsche Unternehmen am besten können: nachhaltig wachsen, ohne unverantwortliche Risiken einzugehen.





